Einrichtung: Kornhausbibliotheken Bern
Funktion: Direktor
Bibliothekarische Ausbildung: MS in Information Science
Wie kamst Du ins Bibliothekswesen?

Eine Laufbahnberatung schlug mir das Bibliothekswesen vor. Ich war allerdings sehr skeptisch und ging der Sache nicht weiter nach. Eher zufällig stiess ich ziemlich viel später auf eine ausgeschriebene Praktikumsstelle in der öffentlichen Bibliothek und bewarb mich da. In diesem Praktikum erfuhr ich, wie vielfältig das Bibliothekswesen ist und seitdem lässt es mich nicht mehr los.
Wie ging es danach weiter?
Ich habe meine bibliothekarische Weiterbildung in Chur gemacht, an der FH Graubünden. Angesprochen hat mich dort vor allem die Breite des Angebots, vom Archiv über die Bibliothek bis zum Data Management. Auch wenn ich weiterhin in der Bibliothek arbeite, habe ich den Einblick in die anderen Bereiche geschätzt und bin immer noch daran interessiert zu hören, was sich da entwickelt. Da das Bibliotheksfeld eher klein ist, finde ich es wichtig, immer wieder in andere Bereiche zu blicken.
Was sind Deine heutigen Aufgaben?
Ich leite die Kornhausbibliotheken Bern. Die Kornhausbibliotheken sind eine private Stiftung, was Freiheiten und Herausforderungen bringt. Meine Aufgaben dabei sind die Organisation und Funktionsfähigkeit des Bibliotheksverbundes zu gewährleisten, für die Weiterentwicklung der ganzen Organisation zu sorgen und die Finanzierung sicherzustellen. Das sind grundsätzlich recht klassische Managementaufgaben. Spannend wird es dadurch, dass sich die öffentlichen Bibliotheken verändern und es keinen klar vorgegebenen Weg in die Zukunft gibt. Dadurch kann ich Vieles ausprobieren, unbefangen zwischen Bildung und Kultur hin und her wechseln und experimentieren. Eine solche konzeptuelle Freiheit gibt es wohl nur an wenigen Orten.
Was ist Dir bei der Arbeit besonders wichtig?
Wichtig ist mir die Motivation, meine eigene und die meiner Mitarbeitenden. Weil die Bibliotheken im Umbruch sind und sich die Aufgaben der Mitarbeitenden verändern, ist es zentral, dass wir alle gewisse Gestaltungsmöglichkeiten und Mitspracherechte haben, die uns eine Selbstermächtigung und damit eine innere Motivation geben.
Was ist das Einzigartige an Deiner derzeitigen Arbeitsstelle?
Wie angetönt habe ich einen grossen Gestaltungsspielraum, um die Bibliotheken weiterzuentwickeln. Einzigartig ist auch die Institution der Kornhausbibliotheken. Es ist ein Verbund von ganz unterschiedlichen Bibliotheken, die ganz verschieden finanziert werden und die an ganz ländlichen wie auch an ganz urbanen Standorten zu finden sind. Ebenso einzigartig ist das Team der Kornhausbibliotheken, sehr interkulturell, mit einer guten Altersdurchmischung, verschiedenen Ausbildungshintergründen und doch einem gemeinsamen Ziel, die Bibliotheken professionell und kundenfreundlich zu betreiben. Wem das jetzt zu fest nach Managementeigenlob tönt, möge mir verzeihen. Aber ich sehe das tatsächlich so, auch wenn es natürlich hin und wieder einmal kracht im Gebälk.
Was darf an Deinem Arbeitsplatz nie fehlen?
Da gibt es eigentlich nichts. Ich kann überall arbeiten. Die Corona-Krise hat ja schön gezeigt, dass wir auch ohne unseren fixen Arbeitsplatz produktiv sein können.
Was war der beste berufliche Ratschlag, den Du je bekommen hast?
Suche nicht den geradesten Weg. Früher hat es mich belastet, dass ich nicht wusste, wie und wohin ich mich beruflich entwickeln wollte. Im Nachhinein bin froh über die Schlenker, die ich gemacht habe und dass ich «unproduktive» Zeiten hatte. Dadurch dass ich meinen Weg erst finden musste, bin ich mir jetzt recht sicher, dass der eingeschlagene ein guter ist. Und weil ich auch in zweifelnden Phasen immer Unterstützung hatte, konnte ich so etwas machen.
Ich sehe bei Bewerbungen oft, dass Personen mit einem vielfältigen Lebenslauf ganz spannende Fähigkeiten mitbringen. Deshalb glaube ich, dass es bereichernd ist, verschiedene Berufswege auszuprobieren und auch Dinge zu versuchen, die nicht zu einer lebenslangen Karriere in einem Bereich führen.
Was sind Deine bevorzugten Informationsquellen, um auf dem Laufenden zu bleiben?
Ich bin ein ganz altmodischer Zeitungsleser, ich lese täglich mindestens zwei Zeitungen. Für den fachlichen Input schaue ich eine Reihe von Fachzeitschriften durch. Fast lieber höre ich aber fachliche Inputs persönlich. Ich versuche, möglichst viele Weiterbildungsveranstaltungen zu besuchen und lerne oft am meisten im Apéro danach.
Bist Du in den Sozialen Netzwerken unterwegs?
Ich bewundere alle, die sich mit scheinbarer Leichtigkeit in den sozialen Medien tummeln. Ich versuche das immer wieder einmal, bin aber jeweils bald erschlagen von Menge und verbrauchter Zeit. Man findet mich deshalb hauptsächlich als Passivnutzer, am aktivsten noch auch LinkedIn.
Juli 2020
