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Das CERN in Genf, ein leicht veränderter Bericht von Simon Geiger
Diese europäische (mit Beteiligung
der Schweiz) Forschungseinrichtung zur Grundlagenforschung in der Elementarteilchenphysik
hat unter anderem das World Wide Web hervorgebracht und betreibteinen Preprint-Server,
eine Art Selbstbedienungsverlag. Grund genug also, diese mit 10000 Mitarbeitenden
und einem Jahresbudget von rund 1 Milliarde Franken recht grosse Institution
zu besuchen.
ALEPH1
So heisst nicht nur das Bibliothekssystem
des CERN, sondern auch einer der vier Teilchendetektoren in einem
ringförmigen Beschleuniger von 27km Umfang. Teilchen und Antiteilchen
kreisen darin mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung
und kollidieren in der Nähe der Detektoren, welche die Trümmerstücke
laufend registrieren. Dazu wird viel Strom verbraucht, soviel, dass der
Beschleuniger im Winter wegen des dann zu hohen Strompreises abgeschaltet
wird. Ein Lift führt 150m hinab zu einer unterirdischen Kaverne, wo
der 11m hohe ALEPH-Detektor aufgestellt ist. Die Szene errinert an die
Kulissen in den Schlussszenen der James Bond Filme.
Die Auswertung der Daten, an denen Tausende
von Teilchenphysikern beteiligt sind, dauert Jahre. Dabei sollen Teilchen
wie z.B. das W-Boson aufgespürt werden, die von der Theorie vorhergesagt
werden. Dadurch kann das heutige Bild der elementaren Teilchen und Kräfte,
sowie der Entstehung des Weltalls bestätigt, verfeinert oder widerlegt
werden.
ALEPH2
In der CERN-Bibliothek,
deren Räumlichkeiten an die heruntergekommenen Polizeibüros in
alten amerikanischen Kriminalfilmen erinnern, wird ALEPH (Version 300,
nicht 500!) dazu genutzt, den Teilchenphysikern eine Publikationsmöglichkeit
in Selbstbedienung zu anzubieten. Forschungsberichte (Preprints, auch Dissertationen
und andere Bücher sind möglich.) können so vom Autor in
elektronischer Form selbst publiziert und auch gleich katalogisiert werden.
Auf diese Weise erscheinen jeden Tag rund 200 neue Artikel. Die Bibliothek
eliminiert dabei die gröbsten formalen Katalogisierungsfehler. Oft
erscheinen die Artikel später in einer gedruckten Zeitschrift, was
für den Nachweis der wissenschaflichen Leistung immer noch nötig
ist. Das System des Preprint-Servers spürt diese Zeitschriftenartikel
in der Datenbank Uncover auf und trägt die bibliographischen Nachweise
automatisch nach. Die Links zu den elektronischen Volltextartikeln der
Verlage werden von einem weiteren Programm eingefügt, das die URL-Adresse
aus den bibliographischen Angaben errechnen kann. Schliesslich werden die
Artikel mit den Zitaten verknüpft, ebenfalls per Programm.
In der Teilchenphysik haben sich die Preprint-Server
mittlerweile zur primären Kommunikationsform entwickelt, auch wenn
die Struktur und die Konsistenz der Datenbanken bei weitem noch nicht den
bibliothekarischen Standards entsprechen.
In anderen Gebieten hat sich diese Form
der automatischen und für Autoren wie Benutzende kostenlosen Verlage
noch nicht durchsetzen können, doch sind beispielsweise in der Biomedizin
zwei wichtige Projekte in Vorbereitung.
So wird sich am 11. Februar für die
Besucher der IG WBS eine neue Bibliothekswelt erschlossen, die in Zukunft
vielleicht auch bei uns teilweise zur Realität wird.
Trotz fachkundiger Führung musste
allerdings eine Frage offen bleiben: Was war vor dem Urknall?
Simon Geiger
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Monika Wechsler01/2000
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